historic-computer
  IBM System 3 (1970)
 
  Eine IBM System /3, ein Lochkartenrechner aus dem Jahre 1970. Der Rechner
  war lange Zeit in einer Garage ohne Strom gelagert, für die weiteren Arbeiten
  suchte ich noch eine Halle o.ä. mit 380 V Starkstrom.
  UPDATE: Neuer Standort mit Stromanschluss ist gefunden. Der Transport der
  Anlage war ein regelrechter Schwertransport. Das Gewicht der Anlage (etwa):
  CPU 400 kg, Platten/Lochkarteneinheit 250 kg und Drucker 215 Kilo.



  Die Zentraleinheit 5410, Ansicht von vorne


  Die Zentraleinheit 5410: unten der Kernspeicher, darüber die Logikplatinen.






  Die Module der System /3 sind noch nicht aus TTL Bausteinen aufgebaut,
  sondern bestehen aus MST-Chips (MST= Monolithic System Technology,
  eine Eigenentwicklung von IBM) in Verbindung mit diskreten Bauteilen.


  Lochkarteneinheit MFCU (Multi Function Card Unit) und Plattenlaufwerke.


  IBM Locher für Lochkarten mit 96 Zeichen.


  Zubehör: Ein paar Lochkarten, eine Platte mit Betriebssystem und
  der Programmiersprache RPG II, und jede Menge Handbücher mit
  detaillierten Schaltplänen.

  UPDATE: erste Fotos am neuen Standort

  5496 Kartenlocher/Prüfer
  
  Als einziges Eingabegrät fange ich mit dem Locher an.
  Zunächst nehme ich das Gehäuse ab:



  Ein Blick auf die Mechanik an der Rückseite:





  Und auf die Transportmechanik an der Vorderseite:


  Nach der Reinigung und dem Zusammensetzen kommt der spannende Moment -
  wird der Locher nach mehr als 25 Jahren laufen?



  Hurra! Der Locher läuft - die Spaltenanzeige zählt die Tastenanschläge, und die   
  Lochkarten werden (mit etwas manueller Hilfe auf den ersten Millimetern) bis
  zum Ausgabeschacht transportiert.



  Erst bei genauem Hinsehen entdecke ich, daß die Karten nicht korrekt gelocht sind.
  Beim Versuch, eine existierende Karte zu Kopieren (Dup=Duplizierem) wird die
  Originalkarte korrekt gelesen (was man am Aufdruck sehen kann), doch es finden
  sich viel weniger Löcher auf der Kopie. Vermutlich hängen einige der Lochernadeln. 

  Als nächstes wende ich mich der MFCU (MultiFunctionCardUnit) zu.
  Beim Öffnen der Haube bietet sich mir ein trauriger Anblick: 



  Der Schaumstoff der Schalldämmung ist nach mehr als 40 Jahren zerbröselt,
  die Überreste davon sind in die Mechanik gefallen. 




  Hier ist erstmal eine gründliche Reinigung nötig. 



  Und damit keine neuen Brösel die Arbeit zunichte machen, entferne ich 
  den alten Schaumstoff komplett.



  Vermutlich durch den Transport sind ein paar Steckverbindungen abgegangen,
  und ein Stecker ist zerbrochen. Hier habe ich ganz sicher noch eine Menge Arbeit
  vor mir.







  Der Drucker 5203. Abgesehen vom Farbtuch (ja Tuch, nicht Band) 
  macht er optisch einen recht guten Eindruck.



  Das Bedienfeld der Druckers und Typenschild.



  Ein Blick unter die Haube zeigt den generell guten Zustand.




  Steuerelektronik und Netzteil. Das Netzteil ist dafür bekannt, durch 
  Leckströme gerne den FI-Schutzschalter auszulösen. Bei der Inbetriebnahme
  muss ich mich daher auf unliebsame Überraschungen gefasst machen.



  Farbtuch und Zeichenkette. Das Funktionsprinzip eines sogenannten 
  Kettendruckers besteht aus einem rotierenden Band mit den druckbaren 
   Zeichen. Wenn das Zeichen an der richtigen Stelle ist, wird es durch einen
  Hammer gegen Farbtuch und Papier gepresst. Da mehrere Hämmer gleich-
  zeitig ausgelöst werden können, muss ein breites Farbtuch statt eines 
  herkömmlichen Farbbands verwendet werden. Der Vorteil liegt in einer
  sehr hohen Druckgeschwindigkeit.



  Die Kette ist ölgeschmiert, hier der Ölbehälter.



  Blick ins innere der Zentraleinheit 5410. Im Bild oben links wurde die 
  Abdeckung entfernt, um den Aufbau der Module sichtbar zu machen.



  Aufbau der Logikmodule der CPU. Durch Verwendung der
  MST-Technik (s. o.) ist heute kaum noch Ersatz zu bekommen.



  16 Kilobyte Ringkernferritspeicher mit Ansteuerelektronik.



  Konsole mit Bedienfeld. Im normalen Betrieb befindet sich dieses Feld
  hinter eine Klappe verborgen.






  Plattenwahlschalter und Kontrolleuchten der Plattenlaufwerke 1 und 2.



  Statusanzeige und Hauptbedienfeld. 





  Die gesamte Bedienkonsole kann geöffnet werden und bietet einen
  Blick auf die Rückseite.












  O je, wo gehören all diese Kabel nur hin? Der korrekte Zusammenbau
  wird in jedem Fall eine Herausforderung, auch wenn eine nahezu
  komplette Systembeschreibung in den Handbüchern vorhanden ist.



  UPDATE: Mit tatkräftiger Hilfe eines Experten für IBM System/3 
  Maschinen habe ich den Aufbau begonnen:

    Zuerst wurden die Kabel in die richtige Position gebracht und in die vorgesehenen 
    Kabelschächte gelegt.



    Die Kabel liegen jetzt schonmal richtig.



    60 Volt Hilfsspannung kommen vom Drucker - ohne geht nichts.


  "Hilfsspannung" bedeutet hier 10 Ampere...



Um die Kondensatoren wieder langsam an die Spannung zu gewöhnen, nehme ich
eine variable Stromversorgung, einen sogenannten Variac.
 


  Dessen Ausgang wird an den Trafo gelegt - und dann langsam hoch gefahren.



  Blick auf den halbfertigen Aufbau.



  Hurra, erste Lebenszeichen nach über 30 Jahren.



   Doch nein, Rauchzeichen! Schnell aus ... woher kam der Rauch? Dieser (defekte) 
   Spannungsregler ist der Übeltäter.



  Durch Kurzschluss eines Kondensators ist ein Widerstand verkohlt - das wurde
  erfolgreich repariert.



  Inzwischen ist die Anlage komplett aufgebaut - hat aber noch Probleme mit dem
  Ringkernspeicher. Durch das Zersetzen des Isolationsmaterials wurden die feinen
  Kupferdrähte weggeätzt - irreparabel. Unter Umständen kann aber (moderner)
  Ersatz auf MOS-Basis angepasst werden - das ist zur Zeit in Arbeit.



  Der Rechner ist kein Energiesparer - zum Betrieb benötige ich 380 Volt Drehstrom!


Mehr Bilder davon bei https://www.flickr.com/photos/historic-computer/



 
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